Muskelgesetz 1

Verkürzung

Der Muskel und die Sehne, oder genauer gesagt die Faszie eines Muskels, muss sich in zwei Situationen verkürzen

A. Bei längerer Ruhe (Inaktivität)

Typisch hierfür der Gipsverband oder ein längerer Krankenhausaufenthalt

In ausgeprägter Form kennen wir das alle. Nach dem Entfernen eines Gipsverbandes sind die Muskeln darunter geschrumpft und die Gelenke lassen sich kaum noch bewegen, weil alle Sehnen verkürzt sind.

Normal ändert sich die Haltung nur sehr langsam

Weniger bewusst ist uns dieser Effekt, wenn die Verkürzung sehr langsam vonstatten geht. Hier sind wir schon bei einem Hauptproblem unsere Zivilisation. Der Prozess geht so langsam vor sich, dass wir uns dessen gar nicht bewusst sind und diesen Effekt gar nicht bemerken. Wir verändern uns so langsam und zudem noch alle gemeinsam in ähnlicher Weise, sodass wir den Wandel als normalen Alterungsprozess ansehen. Selbst wenn wir wirklich darunter leiden, d.h. Schmerzen haben und uns nicht mehr richtig bewegen können, werden wir die eigentliche Ursache nur selten in Betracht ziehen, nämlich die Verbiegung und Versteifung unserer Belastungsbahnen.

Im täglichen Leben ist der innere Hüftbeuger (m. Psoas) der Hauptübeltäter

Dafür verantwortlich ist hauptsächlich bei fast allen Menschen in unseren Kulturkreis der vordere, innere Lendenmuskel (Hüftbeuger). Unserer Angewohnheit, einen Grossteil unseres Lebens im Sitzen zu verbringen, sorgt dafür, dass viele Stunden während des Tages und auch in der Nacht (Embryonalstellung) dieser Muskel völlig ohne Spannung bleibt und schlaff, wie er dann ist, Zeit hat, sich immer mehr zu verkürzen. Das fängt im siebten bis achten Lebensjahr schon mit der Schule an und bis ins Altersheim wird sich dieses Verhalten kaum noch verändern.

Andere Muskelgruppen folgen, Schulter, Wade, Fuss

Andere Muskelgruppen sind davon natürlich auch betroffen, wie zum Beispiel die Schultermuskulatur oder die Muskeln der Wade. Alle Fussprobleme sind praktisch Folge einer allgemeinen Sehnenverkürzung.

B. Bei einseitiger, gleichförmiger Belastung

Einseitige Bewegungen waren erst mit dem sesshaft werden möglich

Unsere Körper funktionieren immer noch wie die der Jäger und Sammler vor 40'000 Jahren. Wer sich nicht bewegen konnte, musste verhungern. Die Lebensumstände verlangten jeden Tag eine Vielfalt von ausgeklügelten Positionen und Bewegungen. Man musste sich bücken, um eine Wurzel auszugraben, danach hochrecken, um eine Frucht vom Baum zu holen und musste sich laufend umsehen und drehen, um eine Gefahr zu erkennen, hat dann Holz getragen, Steine geworfen oder Speere geschleudert.

Mit der Spezialisierung kam auch die eintönige Arbeit in der gleichen Haltung

Mit der Sesshaftigkeit kam auch die Arbeitsteilung. Eintönige, immer gleiche Bewegungen und Spezialisierung haben die Produktion gesteigert. Der eine musste den ganzen Tag einen Pflug schieben, in einer späteren Epoche ein anderer den ganzen Tag am Webstuhl sitzen. Der moderne Mensch hat es mit allem viel leichter, sitzt am Computer, seine Bewegungen sind minimal und nicht anstrengend. Aber der Mechanismus ist der gleiche, die Bewegungen wiederholen sich und sie sind sehr einseitig. Resultat bei uns: Nackenverspannungen und Maushand.

Sport verschlimmert die Situation, da die Flexionsmuskeln sich zunehmend kontrahieren, besonders bei männlichen Sportarten

Wer den gefühlten Mangel an Bewegung durch Sport ausgleichen möchte, kommt vom Regen in die Traufe. Vor allem die männlichen Sportarten sind ziemlich einseitig und führen früher oder später zu einer Verkürzung meist der vorderen Beugemuskulatur. Männliche Sportarten üben im Prinzip das alte Kriegshandwerk. Man erkennt sie daran, dass das Ziel ein Sieg ist, der Feind niedergekämpft wird, auf einem Treppchen geehrt wird, Preise und Pokale gewonnen werden, der Gegner ausgeschaltet werden muss und eine Trophäe mit nach Hause gebracht wird, besonders bei Mannschaftssportarten. Generell führen also alle diese Sportarten zur Verspannung, mehr oder weniger.

Die Forderung heisst, entspannen NACH jedem Sport (nach jeder länger dauernden, einseitigen Bewegung)

Deswegen ist die sofortige, richtige Entspannung nach jedem Sport so wichtig.

Bei weiblichen Sportarten ist dies weniger oder kaum der Fall (z.B. Yoga, Pilates, Tai Chi, Tanz). Hier geht es nicht in erster Linie um einen Leistungsvergleich oder Wettbewerb, sondern um Beweglichkeit, ausgeglichene Bewegung, Geschmeidigkeit, Anmut, Ästhetik und Harmonie.

Such dir deine Entspannung selbst aus

Wieder ein Beispiel das zeigt, eine stärkere ins weibliche gehende Ausrichtung (hier im Sport) könnte in dieser noch mehrheitlich männlich dominierten Welt nicht schaden.

Vor allen Dingen im Alter nicht, jedenfalls was Gymnastik und Sport betrifft.

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