• Startseite
  • Schmerztheorie
  • Schmerzprojektion des Gehirns

Jetzt wird's schwierig:

Der chronische Schmerz ist eine Projektion des Gehirns

Diese Aussage verlangt von uns ein weiteres, schmerzhaftes Umdenken, denn der gefühlte chronische Schmerz ist (lediglich) eine Projektion des Gehirns. Im Laufe der Evolution haben bewegliche Organismen Instrumente entwickelt, um Gefahren zu erkennen und ihnen natürlich auch auszuweichen. So sind die Sinnesorgane entstanden, und so empfinden wir auch völlig richtig den akuten Schmerz. Mit unserer weiteren Entwicklung auf einer höheren Ebene ist das nun schwieriger geworden. Der chronische Schmerz hat nichts mehr mit unmittelbarer Gefährdung zu tun. Ein Zwischenfilter ist eingeschaltet worden (nämlich unser Gehirn) der viel raffinierter vorausblicken und agieren kann. Im Kopf wird entschieden, was Schmerz ist und was nicht. Im Prinzip heisst das, wir sind für uns, unser Handeln und unsere Gefühle mitverantwortlich. Objektiv ist uns die Welt nicht feindlich gesinnt und deswegen können wir sie nur bedingt für unsere chronischen Schmerzen verantwortlich machen.

Chronische Schmerzen haben mit Erinnerung zu tun

Nur wer sich erinnern kann, wird chronische Schmerzen haben, also eigentlich nur der Mensch. Dieser erinnerte Schmerz bedeutet nicht, dass etwas defekt oder verletzt ist, und man kann sich auch nicht darauf verlassen, dass die Ursache da zu finden ist, wo man etwas spürt. Das Schmerzsignal heisst nichts anderes als "Gefahr“. „Irgendetwas ist nicht in Ordnung. Kümmere dich darum und ändere etwas, damit es uns weiter gut geht“, das ist die Botschaft des Gehirns. Die Intensität und Bedeutung (Gewicht) des gefühlten Schmerzes wird vom Gehirn gestaltet und festgelegt, ist aber kein Maßstab für die tatsächliche Gefahr.

Schmerz heisst nichts anderes als "Gefahr"

Schwierig zu verstehen und akzeptieren ist die Erkenntnis, dass wir uns unseren Schmerz selbst basteln. Auslöser ist das Gehirn, das plötzlich eine "Gefahr" zu erkennen glaubt. Ob wirklich eine Gefahr besteht, spielt keine Rolle. Für das Gehirn sprechen die erhaltenen Informationen aus dem Körper jedenfalls dafür. Dieses Zentrum kann nicht beurteilen, was in der Aussenwelt geschieht. Es gibt keine logischen Argumente und solche würden auch nicht verstanden. Nur was in den verschiedenen Abschnitten und Bereichen des Gehirns als eigene Erfahrung oder Erinnerung oder als festliegende Wahrheit (Glaube) gelagert ist, spielt eine Rolle. An einen Großteil der Erfahrungen werden wir uns nicht mehr erinnern können. So ziemlich alles, was uns im ersten Lebensjahr verbal zugeflossen ist, werden wir im Unterbewusstsein gespeichert haben. Wahrscheinlich haben wir das unkritisch übernommen.

Alle möglichen Einflüsse müssen Sie verdauen

Alle gesellschaftlich und kulturell wichtigen Meinungen aus der frühen Kindheit sind auch im Gehirn gespeichert. Wer etwas gesagt hat und wie intelligent das war, alles das spielt keine Rolle. Und natürlich auch alles, was Sie danach gehört haben. Zum Beispiel beim letzten Arztgespräch. Können Sie sich noch daran erinnern, welche Bemerkungen da gefallen sind? Haben Sie die skeptischen Blicke der Arzthelferinnen bemerkt? Ihre Großmutter hatte ein ähnliches Problem. Wie hat sie das interpretiert und überwunden?  Was meint ihre Freundin dazu, welche religiöse Überzeugungen machen Sie unsicher? Sie sehen also, alles in allem ein ziemliches Durcheinander an Einflüssen.

Wird Schmerz wirklich in den Faszien gelagert?

Das hat damit zu tun, dass die Wahrnehmung unserer Aussenwelt zwar über Rezeptoren läuft, aber bewusst werden diese Reize immer nur durch Emotionen. Wir müssen etwas fühlen, damit wir etwas einordnen können. Ob das einer objektiven Wahrheit entspricht, ist unerheblich. Aber es wird gespeichert. Wo genau, wissen wir noch nicht. Wir nehmen zurzeit wohl kollektiv an, die meisten Informationen würden im Gehirn gespeichert. Was Schmerz, maligner Stress und Demütigungen betrifft, gibt es seit mindestens 15'000 Jahren die kollektive Vorstellung der unterschiedlichsten Kulturen, dass dieser Stress (oder auch Verspannung) gespeichert im bindegewebigen Bereich unseres Körpers gespeichert wird. Wir würden heute sagen: in den Faszien. Ein altes schamanisches Wissen. Wahrscheinlich hat sich diese Annahme alle diese Jahrtausende erhalten, weil das Ausschalten dieser Phänomene durch periphere Entspannung äussert erfolgreich war. Immer schon spielte das Streicheln, Massieren und Lockern des Gewebes eine große Rolle, genau so wie auch tröstende Worte und Mitgefühl. Der Erfolg bestimmt den Wert einer Theorie. Ein Therapieansatz, der flächendeckend in der Bevölkerung versagt (jeder bekommt das irgendwann) kann nicht richtig sein. So logisch er auch dargelegt wird.

Ist die "Gefahr gebannt", wird der Schalter vom Gehirn wieder auf "Aus" gestellt

Häufig werden Sie die Schmerzen so erfahren, als gäbe es da einen Schalter im Gehirn, der den Schmerz wie eine Lampe ein- und ausschaltet. Der Schmerz ist ja nicht dauernd da und eingeschaltet. Plötzlich ist er weg. Dann wieder ist nur ein bisschen vorhanden. Gerade in einem unpassenden Moment ist er besonders heftig. Tröstlich ist allein die (hoffentlich aufkeimende) Erkenntnis: wenn das so wechselhaft ist, dann kann ja nichts ernsthaft kaputt sein. Doch die Plage geht weiter. An-Aus, An-Aus. Wer jetzt auf die Idee kommt, das klinge ganz nach Verspannung und Entspannung, der liegt eigentlich richtig. 

Verspannung lösen (machen Sie selbst) = Schalter auf Aus stellen (macht das Gehirn). Es besteht aber keine Korrelation.

Ihre Übungen beeinflussen den Schalter und dieser den gefühlten Schmerz

Das Gehirn kippt in eigener Entscheidung selbständig den Schalter um und ist von aussen nicht zu beeinflussen. Wenn Sie fleissig Ihre Übungen machen, wird der Erfolg sich schneller einstellen. Aber es ist nicht so wie beim Gaspedal in einem Auto. Es gibt keine Beschleunigung, sondern nur eine vorher nicht bestimmbare Phase, in der an- und ausgeschaltet wird. (Das betrifft nicht den Fortschritt in Ihrer Therapie, sondern nur die Warnehmung des Schmerzes.) Trotzdem ist es nicht ungewöhnlich, wenn bei einigen Patienten die jahrelang bestehenden Schmerzen schon nach ein paar Tagen Übung abrupt aufhören. Man kann sich nur eben nicht darauf verlassen.

Die instabile Wackelphase der Faszien während der Therapie

Eine andere, ungewöhnliche Erfahrung macht eine andere Gruppe von Patienten. Da die alten, lederartigen Strukturen der Faszienbahnen ja peu à peu gelöst werden müssen, kann es zu Spannungsverschiebungen in den Muskelketten kommen. Dann werden plötzlich vom Gehirn Schmerzen aufgeschaltet, die vorher noch nie da waren. Anstatt im Kreuz sind die Schmerzen jetzt in der Schulter. Oder schlimmer noch: alle Schmerzen werden stärker. Das ist ziemlich irritierend und gibt verständlicherweise Anlass zum Unmut. Es verstärkt aber auch die Angst, die Ungewissheit, ob das die richtige Therapie sei. "Halte ich das aus? Wie lange dauert das?" Manch einer wird hier abbrechen und der Hinweis, der Schmerz sei lediglich eine Projektion des Gehirns, kommt gar nicht mehr gut an. Wer Kenntnisse in geistiger Entspannungstechnik und Autosuggestion hat, ist im Vorteil.

[Belastungsstrassen] [Faszie]

Der eigentliche Hauptverantwortliche - Stress

Chronische Schmerzen sind Erinnerungen an schmerzliche Erlebnisse der Vergangenheit

Grundsätzlich bezieht sich ein chronischer Schmerz auf eine schmerzhafte Erfahrung in der Vergangenheit, wie akut und aktuell er sich auch immer darstellt. Wie wir wissen, muss das Ereignis gar nicht bewusst sein oder erinnert werden. Schmerzhafte Erfahrungen können auch kumuliert werden. Dabei muss es sich nicht um einen körperlichen Schmerz handeln. Viel häufiger in unseren modernen Zeiten spielt psychischer Stress eine Rolle.  Zum Beispiel durch Lieblosigkeit, Mobbing, Missachtung, Ausgrenzung, Versagen und in noch höherem Maße durch Angst vor Entlassung, Arbeitslosigkeit, Verlust eines Partners oder Todesfall. All dies kann den den Schmerz verstärken oder verhindern, dass er abnimmt. Es ist wie eine Spirale, die immer grössere Kreise zieht.

Das Gesundheitssystem verstärkt unser Schmerzbewusstsein

In dieser Richtung wirkt auch das Gesundheitssystem, gewollt oder ungewollt, als Nocebo, als Schmerzverstärker (das Gegenteil von Placebo). Zuerst einmal sind da die furchterregenden Diagnosen wie Spinalkanalstenose, Gleitwirbel, eingeklemmter Nerv usw. (die in den meisten Fällen gar nicht stimmen). Dann die laufenden Kontrollen, die bedenklichen Minen der im Karussell von Diagnostik und Therapie beteiligten Ärzte, die grossen Maschinen mit ihren zweifelhaften Aussagen, die rätselhaften Bilder, die nichts gutes verheissen. Das alles sind Schmerzverstärker. Die Pharmaindustrie tut ihr übriges. Keine TV-Reklame am Abend, in der nicht für ein rezeptfreies, meist äusserlich anzuwendendes Schmerzmittel geworben wird.

Wir sollen wohl alle möglichst lange Medikamente einnehmen. Und dann folgt das Finale, die Operation. Unsere gesamte Gesellschaft wird zunehmend schmerzempfindlicher.

Weiter:

[Haltung]

Anschrift

Dr. J. A. Stuckensen
Giesshübelstrasse 66
8045 Zürich

Kontakt

Fon: +41 (0)445590839
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Web: www.schmerztherapeut-zuerich.ch