Ein-Bein-Stand

Muskelkoordination ist gefragt

Während der Golfball hauptsächlich im Unterschenkel entspannt und hier entlang der Rückenmuskulatur die Sehnen verlängert und seine lockende Wirkung bis zum Kopf reicht, ist der Ein-Bein-Stand der grosse Koordinator aller Beinmuskeln.

Versuchen Sie es selbst. Auch diese Übung wird am besten barfuss oder mit Strümpfen gemacht. Draussen, ausserhalb des Hauses, wird das wohl seltener möglich sein. Deswegen lassen Sie sich aber nicht die vielen Trainingsmöglichkeiten in der Öffentlichkeit entgehen. In Schuhen geht es natürlich auch, wenn auch nicht ganz so gut. Wieder eine einfache Übung, die aber auch sehr effektiv ist.

Übung ist einfach

Gewicht auf einem Bein. Anderes Bein anheben, die Beine dürfen sich nicht berühren. Möglichst lange so stehen bleiben (circa 2 Minuten). Augen schliessen. Das war's.

Haben Sie es einfach mal gemacht? Dann haben Sie möglicherweise auch schon gespürt, worum es geht. Sie stellen sich hin, machen die Augen zu und heben ein Bein.

Streit unter den Muskeln

Im selben Moment, in dem Sie das Bein anheben, gibt es einen Befehl für rechts hinten im Oberschenkel:  "743 Myofibrillen rechts hinten anspannen" (Myofibrillen sind die kleinsten, haarförmigen Muskeleinheiten). Fast gleichzeitig reagiert eine Muskelgruppe im Fuss und spannt ihrerseits Muskel an und schreit dem Oberschenkel zu: "Viel zu viel Kraft aufgewendet, so geht das nicht". Und kaum ist dieser Satz raus, meldet sich die Wade zum Wort und brummt: "Du musst gerade etwas sagen. Hast du doch selbst überreagiert". Und so nimmt die Streiterei zwischen den dreien ihren Lauf. Sie selbst als Zuschauer merken lediglich, wie es überall zuckt und Sie gar nicht richtig nachvollziehen können, was da eigentlich passiert. Wahrscheinlich kippen Sie bald zur Seite und müssen Ihren Versuch abbrechen und wieder neu anfangen.

Das Gehirn hat andere Dinge zu tun

Was ist jetzt da geschehen? Warum konnten sie Ihr Gleichgewicht nicht halten? Ja, wenn Sie die Augen hätten öffnen dürfen, dann hätten Sie es sicher länger aushalten können. Ihr Auge hätte wie eine Wasserwaage funktioniert und den entsprechenden Muskeln dezidiert aus der Hirnzentrale alle die nötigen Befehle geben können, um Ihre Haltung stabil zu halten. Aber genau das war ja unsere Absicht, den obersten Computer aus dieser Angelegenheit herauszuhalten. Der ist für wichtigere Dinge da und kann sich nicht damit beschäftigen, die eigentlichen Aufgaben der Beine zu übernehmen. Die müssen auf jeden Fall in der Lage sein, sich jederzeit miteinander zu verständigen und sich dann zu einigen. Harmonie muss geübt werden, immer wieder und wieder. Das Ergebnis ist dann ein ruhiger Stand. Das ist ihre Aufgabe. Kann ja nicht so schwer sein, denn schliesslich haben Sie selbst das mit zwei oder drei Jahren gelernt und perfekt gekonnt. Warum klappt es dann heute nicht mehr?

Faul gewesen, nicht geübt

Sie haben es nicht geübt und deswegen haben Sie diese Fähigkeiten verloren. Offensichtlich glauben wir, wir brauchten uns nicht mehr so sehr auf unsere Fortbewegungsinstrumente, unsere Beine, zu verlassen. Wir haben ja Autos und dergleichen. Eine Pannenreaktion der verschiedenen zuständigen Muskelgruppen in den Armen, wie wir es im Bein gesehen haben, würde uns praktisch nicht passieren. Die Folge wäre nämlich: Sie könnten keine Tasse Kaffee mehr an den Mund führen, weil Sie dieses kompliziertes Muskelspiel nicht mehr anstandslos schaffen könnten. Hier geht es um Feinarbeit, um perfekte, neuronale Verknüpfung.

Die neuronale Verknüpfung klappt nicht mehr

Die einzelnen Muskelgruppen und einzelnen Muskeln müssen im Stande sein, selbstständige Wege zu finden, wie sie miteinander harmonieren. Bei Kindern nennen wir das Spielen oder Üben, beim Sport verwenden wir den Ausdruck Training, um Muskelabläufe sinnvoll und ohne allzu viel Fehler zu kombinieren. Von der Natur gibt es auch so eine Art Arbeitsprogramm, in dem festgelegt wird, welche neuronale Verknüpfung wann in der Entwicklung gelernt werden muss. Ist der Zeitpunkt verpasst (in der frühen Kindheit) so ist dieses Manko nie wieder richtig aufzuholen. Wir zivilisierten Schuhträger haben wahrscheinlich auch etwas verloren. Ich meine das perfekte Zusammenspiel der 40 kleinen Muskeln, die wir in jedem Fuss haben und die dazu da sind, Unebenheiten am Boden für unser Gehirn zu glätten. Wir brauchen sie nicht mehr.

Naturvölker im Vorteil?

Könnte dies der Grund sein, dass auffällig viele Athleten, die in ihrer Jugend barfuss gelaufen sind (aus Kenia und Äthiopien), die Langstrecken und immer mehr auch neuerdings die Mittelstrecken im Lauf dominieren? Es sind vor allen Dingen die seitlichen Muskelgruppen am Bein, die wir im Alltag mehr und mehr vernachlässigen (wegen unseren Schuhen).

Übungen überall machbar

Einen grossen Vorteil hat diese Übung. Man kann sie praktisch überall durchführen. Wie immer ist die erste Schwierigkeit, man muss daran denken. Gelegenheiten haben Sie viele, an der Haltestelle, beim Zähneputzen und vieles mehr.

Die Beine sind nicht gleich

Bald wird Ihnen auffallen, wie unterschiedlich Ihre beiden Beine die Aufgabe bewältigen können. Ihr Standbein wird besser sein als das Spielbein. Wahrscheinlich sind auch die Winkel der beteiligten Gelenke an jedem Bein unterschiedlich. Sie können das grob kontrollieren, indem Sie schauen, wohin Ihre Fussspitzen zeigen, wenn Sie normal stehen. Wenn Sie vor einem Spiegel stehen, dann stellen Sie sich vor, Ihre Kniescheiben wären Taschenlampen. Wohin leuchten die beiden? In die gleiche Richtung? Die Spannung in den Beinen ist also unterschiedlich. Versuchen Sie beide anzugleichen.

Übung hilft bei allen Problemen von Bein und Fuss

Egal, welche Beschwerden Sie in den Beinen haben und wieviele Probleme Ihnen Ihr Fuss macht, alles wird verbessert, wenn Sie diese Übung machen. Es geht, wie immer, um Funktion. Und ist die Funktion wieder hergestellt, dann sorgt der Körper von sich aus dafür, die Ungleichmässigkeiten zu normalisieren. Das heisst, die Krankheiten verschwinden.

Sie werden kein Stuntman, aber doch viel robuster

Wenn Sie bei der Übung sich nicht festhalten und auch nicht Ihre Hände in der Hüfte abstützen, dann ist  die obere Hälfte des Körpers in den Balanceprozess mit einbezogen. Die Rumpf-, Schulter- und Nackenmuskeln müssen sich in das Muskelspiel der Beine mit einordnen. Jetzt trainieren Sie Koordination und sichere Informationsübertragung für den ganzen Körper. Warum verletzt sich ein Stuntman nicht in Situationen, in denen sich die meisten mehrere Knochen brechen würden und manch einer den sicheren Tod fände? Weil die Bindegewebsstrassen so perfekt geschaltet sind, dass im Moment des Aufpralls die einwirkenden Kräfte sofort abgeleitet und verstreut werden. Nach oben, zur Seite, in jede Richtung. Die Tensegritystruktur des geübten und trainierten Gewebes sorgt dafür, dass die Kraft reguliert und so möglichst wenig Schaden angerichtet wird. Sie sind weniger unfallgefährdet.

[Tensegrity]

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